Firmenwiesn – das solltet ihr auf dem Oktoberfest beachten

Jedes Jahr zwischen Ende September und Anfang Oktober herrscht in München Ausnahmezustand – es ist Wiesnzeit. Das größte Volksfest der Welt. Millionen von Menschen pilgern in die Zelte, um ordentlich zu feiern. Viele Münchner Firmen nutzen die Gelegenheit, ihre Geschäftspartner einzuladen und so die Kundenbindung zu stärken. Auch als Teambuildingmaßnahme ist die Wiesn super geeignet – und so wird der Betriebsausflug häufig ins Festzelt verlagert.

Und genau hier liegt oft das Problem. Denn viele Wiesngänger lassen ihre Manieren zu Hause. Was ihr in eurer Freizeit macht, bleibt euch überlassen. Aber wer denkt, die Firmenwiesn ist eine super Gelegenheit, endlich mal die Sau rauszulassen, der irrt gewaltig. Denn der Chef und die Kollegen sehen zu. Daher kann eine Entgleisung im anschließenden Berufsalltag ziemlich peinlich werden oder schlimmstenfalls sogar zur Kündigung führen. Glaubt mir, ihr möchtet das ganze nächste Jahr lang nicht diejenige gewesen sein, die erst mit dem Kollegen rumgemacht hat und anschließend auf dem Kotzhügel gelandet ist. In meinem heutigen Beitrag zeige ich euch ein paar Dinge, die ihr beachten solltet, wenn ihr mit der Firma (aber auch privat) auf die Wiesn geht.

Das wichtigste zuerst: Man sollte sich niemals niemals niemals vor dem Chef oder Geschäftspartnern besaufen! Ein bisschen angeheitert sein ist in Ordnung und gehört sicher auch dazu, aber wer sich abschießen will, sollte sich dafür einen anderen Tag und andere Gesellschaft aussuchen. Viele Menschen, die das erste Mal auf das Oktoberfest gehen, machen den gravierenden Fehler, den Alkoholgehalt im Bier zu unterschätzen. Das Oktoberfestbier ist stärker als die meisten „normalen“ Biere. Dazu kommt die Menge …

Bei meinem ersten Wiesnbesuch habe ich den Fehler gemacht, zu fragen, ob ich auch ein kleines Bier haben dürfte. Mal ehrlich, es war 11 Uhr am Vormittag und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, mir um diese Zeit schon eine Mass Bier hinter die Binde zu kippen. Das schallende Gelächter meiner Tischnachbarn und der Todesblick der Wiesnbedienung haben sich auf ewig in mein Hirn gebrannt. Mit anderen Worten: Nein, es gibt kein kleines Bier auf der Wiesn! Wer es langsam angehen möchte, dem rate ich zu Radler (Bier mit Zitronenlimonade gemischt). Die meisten Zelte haben Radler im Angebot, ansonsten bestellt man eben beides separat und mischt es sich selbst am Tisch zusammen. Wichtig ist auch, sich eine ordentliche Grundlage anzufuttern.

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Brezn, Hendl, Haxn – die Auswahl auf der Wiesn lässt keine Wünsche offen

Eine weitere Option wäre, alkoholfreies Bier zu bestellen. Das wird aber immer von der Bedienung gekennzeichnet, z. B. durch einen Papierring um den Henkel, und kommt bei den Tischnachbarn oft nicht gut an. Wer sich nicht die Blöße geben möchte, kann der Bedienung sagen, sie soll die Kennzeichnung vor dem Servieren entfernen – natürlich gegen ein großzügiges Trinkgeld.

Hier noch ein paar allgemeine Tipps: In Bayern heißt der Bierkrug Mass (mit einem kurzen a) und nicht Maß. Man bestellt immer eine Mass und keine Mass Bier. Das wäre doppelt gemoppelt und entlarvt einen sofort als Touristen. Wiesnerprobte nehmen sich ein Bändchen mit, mit dem sie ihren Bierkrug markieren. Denn am Ende stehen so viele Krüge auf dem Tisch, dass man nicht mehr weiß, welcher der eigene ist. Und wenn man dann endlich auf der Bank steht und mit den Tischnachbarn um die Wette schunkelt oder grölt, je nachdem, sollte man immer darauf achten, in der Mitte der Bank zu stehen. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich schon von der Bank habe purzeln sehen, weil sie am Rand standen, während das andere Ende abgehoben ist.

Kommen wir nun zur Frage der Fragen: Was trägt man auf der Wiesn? Erst möchte ich allerdings darauf eingehen, was man auf keinen Fall tragen sollte. Ein Dirndl aus dem Faschingsladen ist ein absolutes No-Go! Gleiches gilt für Korsagen mit Rock oder ähnlichem, auch wenn es entfernt an ein Dirndl erinnert. Und bitte bitte tragt keine Lederhotpants zur Dirndlbluse (für diejenigen, die es nicht wissen, die Dirndlbluse endet in der Regel direkt unter der Brust)! Auch bei Mädels mit einer super Figur sieht das einfach nur billig aus.

Was trägt man nun also zur Wiesn? Bis vor einigen Jahren war die typische Tracht auf dem Oktoberfest eher etwas für die älteren Semester. Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit haben auch junge Frauen das Dirndl für sich entdeckt. Fakt ist, dass ein Dirndl einfach jeder Frau steht, egal welche Figur sie hat. Das typische Dirndl ist knöchellang, aber auch die knielangen Varianten erfreuen sich großer Beliebtheit – bitte kein Minidirndl. Was Farben und Muster angeht, sind die Möglichkeiten grenzenlos. In diesem Jahr sind vor allem traditionelle Dirndl angesagt, aber auch zarte Farben und Blumenmuster. Auch Stickereien oder Details aus Spitze liegen voll im Trend. Ich würde allerdings eher von zu hellen Farben abraten, da diese schnell dreckig werden, gerade wenn es im Zelt heiß hergeht.

Preislich sind die Grenzen beim Dirndl nach oben offen. Wer auf die Wiesn geht, sollte sich jedoch bewusst sein, dass es dort zu fortgeschrittener Stunde etwas dreckiger zugehen kann und das teure Seidendirndl inklusive der schicken Prada Pumps mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Bier übergossen werden. Wem das zu schade ist, der sollte auf preiswertere Varianten zurückgreifen – gleiches gilt für Schuhe, Handtasche, Jacke etc. Allerdings läuft man hier auch Gefahr, auf andere Frauen im gleichen Dirndl zu stoßen.

Zumindest was die Jacke angeht, gibt es hier jedoch den sogenannten Tütentrick. Man nimmt eine Tüte mit zur Wiesn und packt die Jacke hinein. Die Tüte legt man auf den Boden oder knotet sie unter dem Tisch fest. Wird dann Bier verschüttet, bleibt die Jacke sauber und trocken.

Zum Dirndl gehören immer auch eine Bluse und die passende Schürze. Hier stellt sich meist die Frage, auf welcher Seite die Schleife der Schürze gebunden werden soll:

Links = Single bzw. ledig
Mitte = Jungfrau
Rechts = Verheiratet bzw. vergeben
Hinten = Witwe oder Bedienung

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Rechts, links, mittig – das kann schon mal verwirrend sein…

Strumpfhosen sollten durchsichtig und hautfarben sein. Schwarze Strumpfhosen zum Dirndl oder welche aus Strick sehen meiner Meinung nach total unmöglich aus. Die Schuhe sollten zumindest einen kleinen Absatz haben. Ballerinas sind zwar bequem werden aber traditionell nicht zum Dirndl getragen. Hohe Schuhe sehen zum Dirndl total super aus. Man sollte jedoch bedenken, dass man in den Zelten meist auf der Bank steht, die a) nicht sehr breit ist und b) oft sehr wackelt. Mit anderen Worten, wer nicht absolut sicher auf hohen Schuhen laufen kann (auch nach ein paar Bier), sollte auf der Wiesn lieber darauf verzichten. Auf keinen Fall trägt man Stiefel, Turnschuhe oder Chucks zum Dirndl.

Eigentlich sollte man gerade in konservativen Berufen keine Kleidung mit einem zu großen Ausschnitt tragen. Das ist beim Dirndl mit Ausnahme einiger Modelle fast unmöglich. Auf dem Oktoberfest bestätigt die Ausnahme zwar die Regel. Wer sich trotzdem unwohl fühlt, kann mit einem schönen Schal oder einer Trachtenjacke Abhilfe schaffen. Gerade bei den Jacken lohnt es sich in Qualität zu investieren, da die meisten günstigen Modelle sehr kratzig sein können.

In Sachen Accessoires gilt wie immer: Weniger ist mehr! Ein Schal oder eine schöne Kette sind in Ordnung. Auch der typische Wiesnschmuck (Ohrringe in Brezelfrom, Satinketten etc.) sind bei Firmenveranstaltungen okay, solange sie dezent sind. Daneben gibt es ein riesiges Sortiment an Taschen, Hüten, Haarschmuck und und und. Auch hier würde ich eher zur Zurückhaltung raten.

Taschen sind auf der Wiesn generell ein Problem. Zum einen ist es im Zelt oft sehr eng und man kann die Tasche eigentlich nirgendwo abstellen. Außerdem verliert man sie beim Feiern oft aus dem Blick oder achtet nicht darauf. Da kommt schnell mal was weg. In diesem Jahr sind zudem die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. Es werden Taschenkontrollen durchgeführt, große Taschen sind per se verboten. Am besten lässt man die Tasche ganz zu Hause. Die meisten Dirndl haben eine eingenähte Eingriffstasche an der Seite. Diese ist nach außen hin kaum zu sehen, meist aber groß genug, dass die wichtigsten Dinge reinpassen. Um nichts zu verlieren, empfiehlt sich eine Tasche mit Reißverschluss oder Druckköpfen.

Die typische Wiesnfrisur wird geflochten. Hier gibt es schier unendlich viele Varianten für jede Haarlänge. Ich bin in dieser Angelegenheit allerdings definitiv auf Hilfe angewiesen. Meist trage ich die Haare offen oder mache mir einen Pferdeschwanz.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass ein Besuch auf dem Oktoberfest sehr lustig sein kann (vorausgesetzt man steht auf große Menschenansammlungen, Bier und Schlager). Auf Firmenveranstaltungen ist allerdings Vorsicht geboten. In diesem Sinne, viel Spaß Mädels, Prost! Und nicht vergessen, spätestens wenn der Geruch nach Popcorn und Zuckerwatte dem charakteristischen Kotzeduft weicht, man über die zahlreichen in- und ausländischen Alkoholleichen stolpert und einen wahren Spießrutenlauf um Pippipfützen herum absolvieren muss, ist es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen. Man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist 😉

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Prost Mädels :-)
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