Nächstes Jahr lern ich laufen …

Wie viele Menschen, nehme auch ich mir zum Jahreswechsel etwas vor. Und zwar jedes Jahr das gleiche: Ich möchte etwas „für mich“ tun. Etwas, dass mir gut tut und das ich mir ansonsten nicht gönnen würde. Letztes Jahr entschloss ich mich für ein Lauftraining auf Highheels. Ob man das braucht? Seht einfach selbst.

Auf der Suche nach etwas „Gutem für mich“ stolperte ich über Edeltraud. Edeltraud lehrt laufen. Ihre Botschaft: Hohe Schuhe müssen die Füße nicht kaputt machen. Es kommt auf den richtigen Gang und die richtigen Schuhe an. Prima Sache, denke ich mir und meldete mich für den Basis-Workshop „Elegant auf High-Heels“ im Februar an.

Ich war sehr unsicher, was mich da erwarten würde und rechnete damit, mich vor einer Schar Models zu blamieren. Die Nervosität hätte ich mir allerdings sparen können. Die anderen Teilnehmerinnen waren „normale“ Frauen, wie Du und ich und jeden Alters. In meiner Gruppe war unter anderem eine Braut samt Gefolge, zwei Mädels, die den Kurs zum 18. bekommen hatten und einige Frauen, die hohe Schuhe im Business tragen wollten. Edeltraud empfing alle Teilnehmerinnen auf eine sehr nette Weise und sorgte mit ihrer angenehm ruhigen und ausgeglichenen Art dafür,  dass man sich wohlfühlte.

Zu Beginn zogen wir dann die Schuhe erst einmal aus. „Ihr müsst eure Füße spüren!“, erklärte uns Edeltraud. Im Stuhlkreis massierten wir unsere Füße, dehnten sie und cremten sie gut ein. Edeltraut zeigte uns verschiedene Kräftigungsübungen für die Füße. Seit dem Kurs putze ich meine Zähne morgens auf Zehenspitzen im Ballerina-Style und wippe an der U-Bahn-Haltestelle langsam auf und ab. 😉

Elegantes Gehen macht sich aber nicht nur an hohen Schuhen fest. Die ganze Körperhaltung spielt eine Rolle.  Wir lockerten und schüttelten uns, um Hüfte, Rücken und Schultern zu spüren. Ich kam mir ein wenig albern vor, als wir uns dehnten und die Hüften kreisen ließen. „Wohnt in euch“, redete uns Edeltraud gut zu. Offenbar bekam ich es hin, denn Edeltraud war zufrieden. Also war ich es auch.




Schließlich ging es ans „Gehen“, zuerst noch barfuß. Edeltraud sah sich unseren Gang an und ordnete uns einer von fünf Geh-Typen-Kategorien, die sie selbst entwickelt hatte, zu.

Sehr schnell erkannte sie, wo Optimierungsbedarf bestand und gab uns entsprechende Ratschläge. Mein Problem sind die Schultern. Wenn ich gehe, ohne darüber nachzudenken, wirkt es sehr steif. Für einen eleganten, weiblichen Gang gab sie mir den Tipp, geschmeidiger im Rücken zu werden. Die Schultern nicht zu sehr zu versteifen, sondern sanft mitschaukeln zu lassen. Ich versuchte es und siehe da, der Unterschied wurde sofort sichtbar.

Die Knie müssen sich küssen!

Ein weiterer Tipp war, dass sich die Knie beim Laufen leicht berühren sollten. „Die Knie müssen sich küssen!“ Wir probierten es aus und ich war erstaunt, was für einen riesen Unterschied eine kleine Körperbewegung ausmachte. Der Gang der Teilnehmerinnen wirkte eleganter.

Die Tipps von Edeltraud für euch zusammengefasst:

  • Den Hüftbereich nicht komplett versteifen, sondern beim Gehen mitschwingen lassen. Der Hüftschwung wirkt natürlich, wenn ihr die Hüfte während des Laufens absacken lasst. Achtung: Die Hüfte schaukeln – nicht den Hintern!
  • Die Schultern nicht komplett versteifen, sondern die Wirbelsäule mitschwingen lassen. Stellt euch vor, eure Wirbelsäule wäre ein Handtuch, das ihr auswringen wollt.
  • Aufrichten! Kopf und Kinn nach oben, Schultern zurück und Brust raus – „die Brust betritt den Raum zuerst“! Die Arme schwingen an der Seite entspannt mit. „Mut zum Doppelkinn“ haben, so erlangt man automatisch die richtige Körperhaltung.
  • Der große Zeh „führt“ euren Fuß, achtet darauf, wohin ihr ihn hin setzt.
  • Beim Gehen sollten sich die Knie leicht „küssen“.
  • „5 vor 1“ als Grundposition beim Gehen und Stehen. Beim Stehen in hohen Schuhen können die Füße so unauffällig abwechselnd entlastet werden.
Highheel Laufkurs
„5 vor 1“ als Grundposition

Nach diesen Tipps zogen wir unsere Schuhe an und probierten es auf Highheels aus. Es erforderte Konzentration und Übung, aber es funktionierte. Als ich unsere Gruppe den Gang auf und ab stolpern schweben sah, schwor ich mir, nie wieder über „Germanys next Topmodel“ zu lachen.  Edeltraud ging vor, wir glitten hinterher. Der Kurs machte Spaß, die Stimmung war entspannt und gelöst, es wurde viel gelacht.

Um das Ganze noch zu toppen, führte uns Edeltraud vor, wie man zu Highheels – elegant – eine Tasche trägt, einen Koffer führt, Kopfsteinpflaster meistert und Treppen auf- und abläuft. Ich fühlte mich glamourös und versöhnte mich mit meinen roten Pumps, als ich vornehm die Treppen hinabschwebte.

Zum Abschluss erhielten wir eine Lektion in Schuh-Theorie. Edeltraud beurteilte unsere mitgebrachten Schuhe und zeigte uns, worauf wir beim Schuhkauf zukünftig achten sollten:

  • Der Schuh muss zu den Füßen passen. Große Füße können grundsätzlich auch höhere Schuhe tragen, da der Fuß sich noch durchdrücken kann. Sehr kleine Füße sollten aus gesundheitlichen Gründen bei kleineren Absätzen bleiben. Mir empfahl Edeltraud eine maximale Höhe von 6 cm. Höher „geht“ natürlich, ist aber für meinen Fuß nicht mehr gesund.
  • Plateau-Schuhe erleichtern das Gehen, da sich der Absatz für den Fuß verkürzt.
  • Der Absatz sollte leicht schräg verlaufen, das erleichtert das Gehen.
  • Der Schuh sollte nicht zu hart sein, um Druckstellen und Schmerzen zu vermeiden. Edeltraud empfahl uns Schuhe aus Wildleder.
Leicht schräg verlaufender Absatz
Leicht schräg verlaufender Absatz

Bei manchen Teilnehmerinnen war der Unterschied im Gang am Ende größer als bei anderen – aber bei allen, mich eingeschlossen, konnte ich einen schöneren, eleganteren Gang ausmachen. Das Highheel-Training machte Spaß und brachte was. Falls euch der Kurs in München von Edeltraud interessiert, findet ihr HIER weitere Infos. Mittlerweile finden sich solche Kurse aber in den meisten größeren Städten. Also traut euch, Highheels an und los „geht’s“!

Das nächste Jahr steht auch schon wieder kurz vor der Tür. Mal sehen, was ich mir 2016 gönnen werde – ich werde berichten!

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