Sinnvolle Investitionen

Wer mit seinem Körper unzufrieden ist und den Grund für diese Unzufriedenheit aktiv selber nicht ändern kann, hat meist nur noch eine Möglichkeit: Eine Operation. Dass diese unter Umständen sehr teuer sein kann, ist wohl kein großes Geheimnis. Hinzu kommt die Angst, dass etwas schief laufen könnte. Doch ist eine bessere Lebensqualität es nicht wert, ein gewisses Risiko einzugehen? Über die bislang beste Investition meines Lebens.




2015 war für mich das Jahr der Investitionen. Neben dem Kauf einer Eigentumswohnung und einem Piano, nahm ich mir unter anderem fest vor, mein Geld in diesem Jahr in meinen Körper zu investieren.

Seit meinem elften Lebensjahr gehörte ich offiziell zu der Gruppe der Brillenträger. Und ich brauchte ganze zwei Minuten, um zu wissen, dass ich es hasste. Die Leute meinten, ich würde mich mit der Zeit schon an die Brille gewöhnen. Sie stehe mir doch ganz gut. Ich gewöhnte mich nie daran und gestanden hat sie mir meiner Meinung nach auch nicht. Zugegeben, sie war mir in meinem Beruf als Juristin manchmal ganz nützlich, denn der breite schwarze Rahmen verlieh mir eine gewisse Strenge, die hin und wieder recht hilfreich sein konnte, wenn es darum ging, sich im Haifischbecker durchzusetzen. Aber im Privatleben störte sie mich so gut wie überall. Es fing im 3D-Kino an – wer schon mal versucht hat, eine Brille über der Brille zu tragen, weiß, wovon ich rede –, setzte sich beim Sport fort und endete bei gesellschaftlichen Events. Eine Brille zu einem schicken Kleid sieht in meinen Augen einfach nicht gut aus. Eine Weile versuchte ich es mit Kontaktlinsen, aber die vertrug ich leider nicht. Also stand mein Entschluss Anfang 2015 fest: Ich lasse meine Augen lasern!

Um meinen Entschluss in die Tat umzusetzen, machte ich Beratungstermine bei mehreren Augenkliniken in München und entschied mich schließlich für die mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich würde übrigens jedem dazu raten, nicht die erstbeste Klinik zu wählen, sondern sich mehrere anzuschauen. Es ist schon erstaunlich, wie groß die Unterschiede sind, sowohl preislich, als auch leistungstechnisch.

Der Preis hängt natürlich in erster Linie von dem Verfahren ab, mit dem der Eingriff vorgenommen wird. Ich entschloss mich für die Femto-Lasik. Dabei wird – und jetzt wird es eklig – die Oberfläche der Hornhaut des Auges mit einem Laser angeschnitten. Dieses Häutchen, Flap genannt, wird im Anschluss umgeklappt. Mit einem zweiten Laser wird dann die darunter liegende Hornhaut so bearbeitet, dass die Fehlsichtigkeit behoben wird. Danach wird der Flap wieder zurückgeklappt und kann wieder anwachsen. Bei einem anderen Verfahren, wird der Flap mit einem Messer angeschnitten. Die Vorstellung, dass jemand mit einem Messer an meinem Auge rumfummelt, löste jedoch leichtes Grauen in mir aus. Es gibt allerdings auch eine schonendere Variante, bei der kein Flap benötigt wird. Hier wird nur ein kleiner Schnitt in die Hornhaut gemacht. Dieses Verfahren ist aber fast doppelt so teuer, wie die Femto-Lasik und lohnt sich offenbar nur dann, wenn die Kurzsichtigkeit eine bestimmte Stärke erreicht hat. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Verfahren, die ich hier aus Platzgründen nicht alle nennen kann. Wie dem auch sei, welches Verfahren letztendlich das Beste ist, muss jeder für sich entscheiden.

Nachdem ich mich also für ein Verfahren und eine Klinik entschieden hatte, lief alles sehr schnell. Bereits ein paar Tage später sollte die Operation stattfinden, weil kurzfristig ein Termin frei geworden war. Der Eingriff sollte an einem Freitag vorgenommen werden. Man beachte: Das Augenlasern ist ein freiwilliger Eingriff für den man sich Urlaub nehmen muss. Es erfolgt also keine Krankschreibung.

So begab ich mich also eines schönen Freitags im Juli mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt. Und so cool ich den Kollegen gegenüber wenige Tage zuvor noch gewesen war, so muss ich doch zugeben: Ich hatte Schiss – und zwar gewaltigen. Als ich in der Klinik ankam, war ich mit den Nerven am Ende, was völlig irrational war, denn es ist praktisch unmöglich, durch den Eingriff blind zu werden. Der Laser dringt nämlich nur in die Hornhaut vor und nicht bis zur Netzhaut, wo es tatsächlich gefährlich werden könnte. Wie mir versichert wurde, hat es in der über 20jährigen Geschichte des Augenlaserns noch nie einen Fall des Erblindens gegeben. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre eine Infektion.

Nichtsdestotrotz hatte ich die Hosen gestrichen voll. Auf dem Weg von der U-Bahn zur Klinik – im Angesicht des sicheren Todes – hatte ich sämtliche Horrorszenarien gedanklich durchgespielt. Ich musste mich immer wieder beschwören, nicht auf dem Absatz kehrt zu machen und abzuhauen. Schließlich kam ich doch am Ziel an. Und dann ging alles unglaublich schnell, fast so, als ob die einem mit Absicht keine Zeit lassen wollten, darüber nachzudenken, was da gerade geschieht. Ich wurde in den Vorbereitungsraum gerufen, wo ich mir einen Kittel, Haube und Überzieher anziehen sollte. Danach bekam ich Betäubungstropfen in die Augen. In einigen Fällen bekommen die Patienten Beruhigungsmittel, aber ich machte offenbar nicht den Eindruck, welche zu brauchen, was mich vermuten lässt, dass ich nach außen hin trotz allem einen gefassten Eindruck gemacht haben muss. Das Pokerface des Juristen…

Einige Minuten später wurde ich in den Behandlungsraum geführt. Hier sollte ich mich auf eine Liege legen. Meine Augenlider – und nun wird es wieder eklig – wurden mit einer Art Tesafilm oben angeklebt, damit ich nicht blinzeln konnte. Dann wurde mein Auge mit einem komischen Plastikrohr fixiert, was ziemlich unangenehm war, und schon ging es los. Erst wurde der Flap geschnitten, dann wurde ich unter den zweiten Laser geschoben und es ging los. Das eigentliche Lasern bekommt man im Grunde nicht wirklich mit, bis auf den Geruch. Es riecht nach verbranntem Haar – oder Brathähnchen. In diesem Moment realisiert man, dass es das eigene Auge ist, das da gerade „gegrillt“ wird. Ich habe krampfhaft versucht, nicht in Panik zu geraten. Die ganze Prozedur dauert nur wenige Sekunden. Danach klappt der Arzt den Flap wieder zurück und benetzt die Augen mit Antibiotikum. Der gesamte Eingriff, inklusive Umziehen, dauerte keine 20 Minuten.

Danach bekam ich ein „Pflaster“ auf die Augen mit durchsichtigen Plastikscheiben. Die musste ich den Rest des Tages über tragen und auch in der ersten Nacht nach der OP, damit man sich im Schlaf nicht versehentlich ins Auge fasst und den Flap verschiebt, solange er noch nicht wieder fest angewachsen ist. Ich muss zugeben, dass die ersten sechs Stunden nach der OP richtig schlimm für mich waren. Meine Augen haben höllisch gebrannt und getränt. Die meiste Zeit habe ich versucht, zu schlafen. Danach waren die Schmerzen plötzlich weg.

Als ich die Pflaster am nächsten Morgen entfernen durfte, konnte ich perfekt sehen. Die Nachuntersuchung ergab, dass mein Sehvermögen nun bei 125 % liegt. Eine Woche lang durfte ich mich nicht schminken, musste beim Duschen aufpassen, dass mir kein Wasser ins Auge spritzt, durfte nicht ins Schwimmbad und musste schauen, dass ich mir nicht unbewusst ins Auge fasse. Außerdem musste ich in der ersten Woche Antibiotika in Form von Augentropfen nehmen. Danach begann ein neues Kapitel in meinem Leben. Ich muss nun nicht mehr ständig aufpassen, dass meine Brille schmutzig wird, kann bei Regen in den Himmel schauen oder im Winter ein Geschäft betreten, ohne dass die Gläser beschlagen. Ich kann joggen, schwimmen und Ski fahren gehen, ohne dass mich die Brille stört oder ich nichts sehen kann, weil ich sie weglassen muss. Ich sehe auf Events mit meinem schicken Kleid wieder gut aus. Da finde ich es auch nicht schlimm, dass mir etwas an Strenge verloren ging. Irgendwie habe ich es bisher immer geschafft, mich durchzusetzen. Das wird sich auch mit fehlender Brille nicht ändern. Allerdings ertappe ich mich auch jetzt – Monate später – noch immer dabei, wie ich aus Gewohnheit meine imaginäre Brille auf meiner Nase zurecht schiebe. Es werden wohl noch etliche Monate vergehen, ehe mir klar wird, dass es da nichts mehr zurecht zu schieben gibt.

Abschließend kann ich sagen, dass ich diesen Schritt trotz der sechsstündigen Schmerzen und der Angst immer wieder machen würde und diese OP jedem, der sich mit Brille unwohl fühlt, nur empfehlen kann. Ich habe noch nie Geld für etwas Besseres ausgegeben :-)

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