Wenn die Zeit zu rennen scheint

Je älter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Ich habe mich oft gefragt, warum das so ist. Die Antwort darauf bekam ich vor einiger Zeit, als ich mir einen Vortrag darüber angehört habe, wie man seinen inneren Schweinehund besiegt. Mehr oder weniger nebenbei erklärte der Referent, warum die Jahre mit zunehmendem Alter scheinbar wie im Flug verstreichen und gefühlt immer kürzer werden. Seltsamerweise ist mir gerade dieser nebensächliche Teil des Vortrags am meisten in Erinnerung geblieben. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Routine.

Als Kind schienen die Tage manchmal nie enden zu wollen. Das liegt hauptsächlich daran, dass Kinder ihre Umwelt ganz anders wahrnehmen. Sie sehen und entdecken ständig neue Dinge, sammeln neue Erfahrungen und erleben viel mehr, als erwachsene Menschen. Diese neuen Eindrücke und ersten Male prägen sich in das Gehirn ein, müssen verarbeitet werden und bleiben in Erinnerung. Die Zeit scheint langsamer zu vergehen.

Erwachsene Menschen entwickeln Routinen, leben im Alltag. Das Gehirn nimmt nicht mehr so viele Eindrücke wahr, hat sich an bestimmte Abläufe gewöhnt. Es gibt nicht mehr so viele erste Male, die in Erinnerung bleiben. Die Zeitspanne erscheint kürzer und die Zeit vergeht gefühlt schneller. Und ehe man sich’s versieht, ist schon wieder Weihnachten. Wer allerdings auch mit zunehmendem Alter neue Dinge erlebt, kann die Uhr zumindest etwas verlangsamen. Ein kleines Beispiel: Jemand, der das ganze Wochenende in den eigenen vier Wänden auf der Couch vor dem Fernseher verbracht hat, sagt am Sonntagabend, das Wochenende sei wie im Flug vergangen. Unternimmt der gleiche Mensch an dem Wochenende aber beispielsweise einen Städtetrip, hat er am Sonntagabend das Gefühl, als sei das Wochenende viel länger gewesen, als 48 Stunden.

Ich habe dieses Beispiel schon zig Mal selbst erlebt. Wenn ich ehrlich bin, gehöre ich eher zur Kategorie fauler Sack. Am liebsten verbringe ich die Wochenende im Liegen auf der Couch, schaue Filme oder lese – nichts daran ist aufregend oder neu. Am Abend habe ich dann meistens das Gefühl, ich bin gerade erst aufgestanden und schon ist wieder Zeit für’s Bett. Hin und wieder kommt es aber auch vor, dass ich in die Berge fahre, zu meinen Eltern nach Köln, etwas Neues mit Freunden unternehme oder eine kurze Städtereise mache. Nach solchen Wochenenden hab ich oft das Gefühl, als wär ich ewig weggewesen.

Das Problem an der Sache ist, dass der Mensch grundsätzlich ein Gewohnheitstier ist. Wir brauchen diese Routine, einen geregelten Tagesablauf. Das gibt uns Sicherheit. Außerdem ist absolut klar, dass niemand jeden Tag Action haben kann, erst recht kein in Vollzeit berufstätiger Mensch. Durch festgelegte Arbeitszeiten ist der Tagesablauf automatisch vorgegeben. Und oft wird der Feierabend für Dinge genutzt, die ein erwachsener Mensch nun mal tun muss, wie etwa einkaufen, Wäsche waschen, das Auto in die Werkstatt bringen etc.

Eine gewisse Routine lässt sich also nicht vermeiden und das ist auch gar nicht schlimm. Wer aber hin und wieder aus der Gewohnheit und dem Alltag ausbricht, etwas unternimmt und neue Dinge erlebt, schafft es, sein Leben – zumindest gefühlt – um kostbare Zeit zu verlängern.

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